Was versteht man in diesem Zusammenhang unter "Räuchern"?
Als Räuchern bezeichnet der Holzwerker das Verfärben gerbsäurehaltiger Hölzer durch chemische Reaktionen mit Ammoniakdämpfen. Das zu behandelnde Werkstück wird dazu für einige Zeit in einen geeigneten, möglichst luftdicht verschließbaren Behälter untergebracht, in dem zusätzlich ein oder mehrere Gefäße mit Ammoniakwasser (Salmiakgeist) aufgestellt werden. Für kleinere Werkstücke eignet sich ein Glasgefäß (siehe Bild 1) besonders gut, weil man hier die Farbänderung gut beobachten kann, um den Vorgang im richtigen Moment abzubrechen. Die notwendige Einwirkzeit läßt sich schwer vorhersagen: Je höher die Konzentration und die Oberfläche des Ammoniakwassers, je höher die Umgebungstemperatur und je höher der Gerbsäuregehalt der zu färbenden Hölzer, desto schneller geht die Braunfärbung von statten. Will man eine ganz bestimmte Farbsättigung erreichen, ist trotz aller Einfachheit des Verfahrens etwas Erfahrung notwendig, da zum einen eine gewisse Nachwirkungszeit einzukalkulieren ist und zum anderen die Art der abschließenden Oberflächenbehandlung (Ölen, Wachsen, Lakieren ) das Endergebnis maßgeblich mitbestimmt. Ebenfalls von der Einwirkzeit hängt ab, wie tief unter der Holzoberfläche sich die Braunfärbung fortsetzt. Statt das fertige Werstück zu Räuchern könnte man z. B. auch einen Schalenrohling vor dem Drechseln räuchern, so entsteht dann an der fertigen Schale ein Farbgradient mit helleren Tönen an tiefe ausgedrehten Partien. Zu beachten wäre noch, dass sich insbesondere bei Eichenholz der Gerbsäuregehalt im Kernholz konzentriert. Etwa am Werkstück verbliebenes Splintholz bleibt nach dem Räuchern also hell. Ob das tolerierbar oder gar wünschenswert ist, muß im Einzelfall entschieden werden. Zumindest für hochwertige Tischlerarbeiten gilt traditionell das Splintholz der Eiche als minderwertig und wurmgefärdet und sollte immer entfernt werden. Wem die Palette der verfügbaren gerbsäurehaltiger Hölzer zu klein erscheint, kann das Räuchern schließlich auch ander Holzarten anwenden: Dazu muss in einem vorausgehenden Arbeitsgang das entsprechende Werkstück zunächst mit Gerbsäure behandelt werden. Dazu kommen Chemikalien wie Tannin oder Fertigprodukte der Lack- und Farbenindustrie - oft als Vorbeizen - bezeichnet - zum Einsatz.
Beim Chemiker nachgefragt:
„Wie entsteht eigentlich die dunkle Färbung beim Räuchern gerbsäurehaltiger Hölzer mit Ammoniakdämpfen?“
Manche Holzarten enthalten organische Verbindungen, die man wegen ihrer Anwendung in der Gerberei Gerbsäuren (=Tannine) nennt. Sie schmecken adstringierend und bilden mit Eisensalzen grüne bis dunkelbraune Komplexe. Nach dem deutschen Naturstoffchemiker Freudenberg werden Tannine in a) Gallotannine und b) Catechin-Gerbstoffe eingeteilt.
a) Gallotannine sind Ester oder Glykoside von Monosacchariden mit Gallussäure. Behandelt man Gallotannin-haltige Hölzer für einige Zeit mit Ammoniak-Dämpfen („Räuchern“), so nehmen diese Hölzer braune Farbtöne an. Wie kommt das zustande? Die Gallussäure wird im Alkalischen leicht durch Sauerstoff der Luft zu Chinonen oxidiert und diese sind braun. Ammoniak (NH3) aus dem leicht verfügbaren Ammoniakwasser sorgt als flüchtige Base für die alkalische Reaktion.
Besonders reich an Gerbstoffen sind Eiche (Quercus spec.) und Edelkastanie (Castanea satvia) sowie Catechu, Quebracho und Mimose.
b)Die Catechin-Gerbstoffe entstehen durch die Kondensation von Flavan-3-ol-Einheiten.
Dr. S. H.
